Ständig Anrufe im Urlaub? Warum das Problem oft schon vor dem Urlaub beginnt

Endlich Urlaub.
Der Koffer ist gepackt.
Du sitzt am Strand, wanderst durch die Berge oder genießt einfach die Ruhe.
Dann klingelt das Handy.
„Kannst du kurz helfen?“
„Wie sollen wir das entscheiden?“
„Wo finden wir eigentlich ...?“
Kommt dir das bekannt vor?
Viele Praxisinhaber*innen aus der Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie erzählen mir genau davon.
Sie wünschen sich Erholung – verbringen den Urlaub aber damit, Fragen zu beantworten und Probleme zu lösen.
Oft höre ich dann:
„Mein Team kriegt das einfach nicht alleine hin.“
Doch häufig beginnt das eigentliche Problem schon lange vor dem ersten Urlaubstag.
Warum Praxisinhaber*innen im Urlaub ständig angerufen werden
Viele Teams handeln im Alltag genau so, wie sie es gelernt haben.
Die Praxisleitung entscheidet.
Die Praxisleitung löst Probleme.
Die Praxisleitung beantwortet Fragen.
Die Praxisleitung weiß, wo wichtige Informationen liegen.
Die Praxisleitung übernimmt Verantwortung.
Über Monate oder sogar Jahre entsteht dadurch ein Muster:
Wenn etwas unklar ist, fragen wir die Chefin oder den Chef.
Im Urlaub soll dieses Muster plötzlich verschwinden.
Doch ohne Vorbereitung funktioniert das selten.
Gute Führung zeigt sich in deiner Abwesenheit
Ein Satz begleitet meine Arbeit seit Jahren:
Die Qualität deiner Führung zeigt sich nicht nur, wenn du da bist – sondern auch, wenn du nicht da bist.
Ein Team, das ohne dich handlungsfähig bleibt, entsteht nicht zufällig.
Es wird darauf vorbereitet.
Das bedeutet nicht, dass nie Fragen auftauchen.
Es bedeutet, dass Mitarbeitende wissen, wie sie mit Unsicherheit umgehen können.
Die wichtigste Frage vor jedem Urlaub
Statt dich zu fragen:
„Warum ruft mein Team mich ständig an?“
hilft oft eine andere Frage mehr:
„Wie gut habe ich mein Team auf meine Abwesenheit vorbereitet?“
Diese Perspektive verändert vieles.
Denn häufig fehlt nicht Motivation.
Es fehlt Orientierung.
Diese Fragen solltest du vor deinem Urlaub gemeinsam klären
Bevor dein Urlaub beginnt, lohnt sich eine gemeinsame Übergabe mit dem Team.
Zum Beispiel anhand dieser Fragen:
Wann darf das Team mich anrufen – und wann nicht?
Nicht jede Unsicherheit ist ein Notfall.
Definiert gemeinsam klare Kriterien dafür, wann ein Anruf wirklich notwendig ist.
Welche Entscheidungen darf das Team selbst treffen?
Viele Mitarbeitende warten auf Freigaben, weil sie unsicher sind.
Je klarer Verantwortlichkeiten geregelt sind, desto selbstständiger kann dein Team handeln.
Was kann warten, bis ich zurück bin?
Nicht jede Aufgabe muss sofort erledigt werden.
Eine gemeinsame Priorisierung nimmt Druck aus vielen Situationen.
Wo finden sich wichtige Informationen?
Telefonnummern.
Passwörter.
Kontaktdaten.
Vertretungsregelungen.
Je einfacher Informationen zugänglich sind, desto seltener entstehen Rückfragen.
Welche Situationen könnten Unsicherheit auslösen?
Denke gemeinsam mit deinem Team voraus.
Welche Probleme treten erfahrungsgemäß im Urlaub auf?
Und wie kann das Team damit umgehen?
Was tun wir, wenn niemand die Antwort kennt?
Vielleicht die wichtigste Frage überhaupt.
Nicht jede Situation lässt sich planen.
Doch ihr könnt gemeinsam besprechen, wie Entscheidungen getroffen werden, wenn niemand sofort die perfekte Lösung kennt.
Warum viele Teams gar nicht lernen konnten, selbstständig zu handeln
Wenn die Praxisleitung im Alltag jede Entscheidung übernimmt, lernen Mitarbeitende unbewusst:
„Lieber nachfragen als selbst entscheiden.“
Das wirkt zunächst sicher.
Langfristig führt es jedoch dazu, dass jede Kleinigkeit wieder bei der Führungskraft landet.
Wer Eigenverantwortung möchte, muss Eigenverantwortung ermöglichen.
Dazu gehören:
- klare Erwartungen,
- definierte Entscheidungsspielräume,
- Vertrauen,
- und die Erlaubnis, selbst Lösungen zu entwickeln.
Gesunde Führung bedeutet nicht, unersetzbar zu sein
Viele Praxisinhaber*innen glauben, ihre ständige Erreichbarkeit sei ein Zeichen von Verantwortung.
Doch langfristig macht sie die Praxis abhängig von einer einzigen Person.
Gesunde Führung verfolgt ein anderes Ziel.
Sie macht Teams handlungsfähig.
Sie schafft Klarheit.
Sie gibt Orientierung.
Und sie sorgt dafür, dass Verantwortung auf mehreren Schultern verteilt wird.
Denn echte Führung bedeutet nicht, überall gleichzeitig gebraucht zu werden.
Sondern Strukturen zu schaffen, die auch ohne dich funktionieren.
Urlaub ist ein Stresstest für deine Praxis
Dein Urlaub zeigt oft sehr deutlich, wie gut Prozesse und Kommunikation bereits funktionieren.
Wenn ständig Rückfragen entstehen, ist das keine persönliche Schwäche deines Teams.
Es ist ein Hinweis darauf, dass Rollen, Zuständigkeiten oder Abläufe noch klarer definiert werden dürfen.
Genau darin liegt die Chance.
Nicht nur für entspanntere Urlaube.
Sondern für einen entspannteren Praxisalltag das ganze Jahr über.
Fazit
Wenn dein Team dich im Urlaub ständig anruft, liegt die Ursache häufig nicht im Urlaub selbst.
Sondern im Alltag davor.
Wer Verantwortung immer selbst übernimmt, darf sich nicht wundern, wenn Mitarbeitende auch im Urlaub nach Orientierung suchen.
Gesunde Führung bedeutet deshalb, Menschen so vorzubereiten, dass sie auch ohne dich Entscheidungen treffen können.
Denn das größte Kompliment für eine Führungskraft ist nicht, unersetzbar zu sein.
Sondern eine Praxis aufgebaut zu haben, die auch in ihrer Abwesenheit sicher funktioniert.
Unterstützung für deine Urlaubsvorbereitung
Genau für solche Situationen gibt es den neuen Bereich „Urlaubszeit“ in der WORDSEED® Praxistoolbox.
Die Praxistoolbox ist eine wachsende Online-Bibliothek für Praxisinhaber*innen aus der Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie. Dort findest du praxiserprobte Vorlagen, Checklisten, Gesprächsleitfäden, Arbeitsblätter und Formulierungshilfen rund um gesunde Kommunikation, Führung und Praxisentwicklung.
So kannst du dein Team Schritt für Schritt darauf vorbereiten, auch während deiner Abwesenheit sicher und eigenverantwortlich zu handeln.










