Ständig Anrufe im Urlaub? Warum das Problem oft schon vor dem Urlaub beginnt

Lisa Holtmeier • 13. Juli 2026

Endlich Urlaub.

Der Koffer ist gepackt.

Du sitzt am Strand, wanderst durch die Berge oder genießt einfach die Ruhe.

Dann klingelt das Handy.

„Kannst du kurz helfen?“

„Wie sollen wir das entscheiden?“

„Wo finden wir eigentlich ...?“

Kommt dir das bekannt vor?

Viele Praxisinhaber*innen aus der Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie erzählen mir genau davon.

Sie wünschen sich Erholung – verbringen den Urlaub aber damit, Fragen zu beantworten und Probleme zu lösen.

Oft höre ich dann:

„Mein Team kriegt das einfach nicht alleine hin.“

Doch häufig beginnt das eigentliche Problem schon lange vor dem ersten Urlaubstag.

Warum Praxisinhaber*innen im Urlaub ständig angerufen werden

Viele Teams handeln im Alltag genau so, wie sie es gelernt haben.

Die Praxisleitung entscheidet.

Die Praxisleitung löst Probleme.

Die Praxisleitung beantwortet Fragen.

Die Praxisleitung weiß, wo wichtige Informationen liegen.

Die Praxisleitung übernimmt Verantwortung.

Über Monate oder sogar Jahre entsteht dadurch ein Muster:

Wenn etwas unklar ist, fragen wir die Chefin oder den Chef.

Im Urlaub soll dieses Muster plötzlich verschwinden.

Doch ohne Vorbereitung funktioniert das selten.

Gute Führung zeigt sich in deiner Abwesenheit

Ein Satz begleitet meine Arbeit seit Jahren:

Die Qualität deiner Führung zeigt sich nicht nur, wenn du da bist – sondern auch, wenn du nicht da bist.

Ein Team, das ohne dich handlungsfähig bleibt, entsteht nicht zufällig.

Es wird darauf vorbereitet.

Das bedeutet nicht, dass nie Fragen auftauchen.

Es bedeutet, dass Mitarbeitende wissen, wie sie mit Unsicherheit umgehen können.

Die wichtigste Frage vor jedem Urlaub

Statt dich zu fragen:

„Warum ruft mein Team mich ständig an?“

hilft oft eine andere Frage mehr:

„Wie gut habe ich mein Team auf meine Abwesenheit vorbereitet?“

Diese Perspektive verändert vieles.

Denn häufig fehlt nicht Motivation.

Es fehlt Orientierung.

Diese Fragen solltest du vor deinem Urlaub gemeinsam klären

Bevor dein Urlaub beginnt, lohnt sich eine gemeinsame Übergabe mit dem Team.

Zum Beispiel anhand dieser Fragen:

Wann darf das Team mich anrufen – und wann nicht?

Nicht jede Unsicherheit ist ein Notfall.

Definiert gemeinsam klare Kriterien dafür, wann ein Anruf wirklich notwendig ist.

Welche Entscheidungen darf das Team selbst treffen?

Viele Mitarbeitende warten auf Freigaben, weil sie unsicher sind.

Je klarer Verantwortlichkeiten geregelt sind, desto selbstständiger kann dein Team handeln.

Was kann warten, bis ich zurück bin?

Nicht jede Aufgabe muss sofort erledigt werden.

Eine gemeinsame Priorisierung nimmt Druck aus vielen Situationen.

Wo finden sich wichtige Informationen?

Telefonnummern.

Passwörter.

Kontaktdaten.

Vertretungsregelungen.

Je einfacher Informationen zugänglich sind, desto seltener entstehen Rückfragen.

Welche Situationen könnten Unsicherheit auslösen?

Denke gemeinsam mit deinem Team voraus.

Welche Probleme treten erfahrungsgemäß im Urlaub auf?

Und wie kann das Team damit umgehen?

Was tun wir, wenn niemand die Antwort kennt?

Vielleicht die wichtigste Frage überhaupt.

Nicht jede Situation lässt sich planen.

Doch ihr könnt gemeinsam besprechen, wie Entscheidungen getroffen werden, wenn niemand sofort die perfekte Lösung kennt.

Warum viele Teams gar nicht lernen konnten, selbstständig zu handeln

Wenn die Praxisleitung im Alltag jede Entscheidung übernimmt, lernen Mitarbeitende unbewusst:

„Lieber nachfragen als selbst entscheiden.“

Das wirkt zunächst sicher.

Langfristig führt es jedoch dazu, dass jede Kleinigkeit wieder bei der Führungskraft landet.

Wer Eigenverantwortung möchte, muss Eigenverantwortung ermöglichen.

Dazu gehören:

  • klare Erwartungen,
  • definierte Entscheidungsspielräume,
  • Vertrauen,
  • und die Erlaubnis, selbst Lösungen zu entwickeln.

Gesunde Führung bedeutet nicht, unersetzbar zu sein

Viele Praxisinhaber*innen glauben, ihre ständige Erreichbarkeit sei ein Zeichen von Verantwortung.

Doch langfristig macht sie die Praxis abhängig von einer einzigen Person.

Gesunde Führung verfolgt ein anderes Ziel.

Sie macht Teams handlungsfähig.

Sie schafft Klarheit.

Sie gibt Orientierung.

Und sie sorgt dafür, dass Verantwortung auf mehreren Schultern verteilt wird.

Denn echte Führung bedeutet nicht, überall gleichzeitig gebraucht zu werden.

Sondern Strukturen zu schaffen, die auch ohne dich funktionieren.

Urlaub ist ein Stresstest für deine Praxis

Dein Urlaub zeigt oft sehr deutlich, wie gut Prozesse und Kommunikation bereits funktionieren.

Wenn ständig Rückfragen entstehen, ist das keine persönliche Schwäche deines Teams.

Es ist ein Hinweis darauf, dass Rollen, Zuständigkeiten oder Abläufe noch klarer definiert werden dürfen.

Genau darin liegt die Chance.

Nicht nur für entspanntere Urlaube.

Sondern für einen entspannteren Praxisalltag das ganze Jahr über.

Fazit

Wenn dein Team dich im Urlaub ständig anruft, liegt die Ursache häufig nicht im Urlaub selbst.

Sondern im Alltag davor.

Wer Verantwortung immer selbst übernimmt, darf sich nicht wundern, wenn Mitarbeitende auch im Urlaub nach Orientierung suchen.

Gesunde Führung bedeutet deshalb, Menschen so vorzubereiten, dass sie auch ohne dich Entscheidungen treffen können.

Denn das größte Kompliment für eine Führungskraft ist nicht, unersetzbar zu sein.

Sondern eine Praxis aufgebaut zu haben, die auch in ihrer Abwesenheit sicher funktioniert.

Unterstützung für deine Urlaubsvorbereitung

Genau für solche Situationen gibt es den neuen Bereich „Urlaubszeit“ in der WORDSEED® Praxistoolbox.

Die Praxistoolbox ist eine wachsende Online-Bibliothek für Praxisinhaber*innen aus der Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie. Dort findest du praxiserprobte Vorlagen, Checklisten, Gesprächsleitfäden, Arbeitsblätter und Formulierungshilfen rund um gesunde Kommunikation, Führung und Praxisentwicklung.

So kannst du dein Team Schritt für Schritt darauf vorbereiten, auch während deiner Abwesenheit sicher und eigenverantwortlich zu handeln.

von Lisa Holtmeier 11. Juli 2026
Lerne, ehrlich Nein zu sagen – ohne Ausreden. Erfahre, wie du Einladungen respektvoll absagst, Prioritäten schützt und klare Grenzen setzt.
von Lisa Holtmeier 10. Juli 2026
Warum Kommentare über das Aussehen verletzen können und wie du respektvoll kommunizierst. Tipps zum Grenzen setzen und für gesunde Kommunikation.
von Lisa Holtmeier 8. Juli 2026
Erfahre, welche psychologischen Erkenntnisse dein Leben leichter machen können. Ein inspirierendes Gespräch mit Psychotherapeut Sina Haghiri.
von Lisa Holtmeier 6. Juli 2026
Lerne, freundlich Nein zu sagen, Grenzen zu setzen und Prioritäten zu schützen. Tipps für Führungskräfte, Praxisinhaber*innen und alle, die sich weniger überfordern möchten.
von Lisa Holtmeier 5. Juli 2026
Warum Praxisinhaberinnen mehr als Therapeutinnen sind. Erfahre, wie gute Führung, Kommunikation und klare Strukturen deine Praxis erfolgreicher machen.
von Lisa Holtmeier 4. Juli 2026
Vor dem Team kritisiert? Erfahre, wie du souverän auf Kritik im Meeting reagierst, Eskalationen vermeidest und eine gesunde Feedbackkultur förderst.
von Lisa Holtmeier 3. Juli 2026
Viele Menschen haben gute Argumente. Trotzdem überzeugen sie andere nicht. Warum? Weil Überzeugungskraft nicht nur davon abhängt, was wir sagen, sondern auch davon, wie wir ein Gespräch beginnen. Wer direkt widerspricht oder mit Gegenargumenten startet, erzeugt häufig Widerstand. Wer hingegen eine Gesprächsatmosphäre schafft, in der sich Menschen gehört und respektiert fühlen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die eigenen Argumente überhaupt aufgenommen werden. Was macht eine gute Argumentation aus? Viele denken bei Argumentation an Fakten, Zahlen und logische Schlussfolgerungen. Diese Elemente sind wichtig. Doch erfolgreiche Kommunikation besteht aus mehr als sachlichen Argumenten. Eine gute Argumentation zeichnet sich dadurch aus, dass sie: respektvoll formuliert ist neugierig statt belehrend wirkt unterschiedliche Perspektiven zulässt Verständnis signalisiert zum Nachdenken einlädt Warum Menschen auf Argumente oft mit Widerstand reagieren Sobald Menschen das Gefühl haben, ihre Meinung werde angegriffen, schalten sie häufig in einen Verteidigungsmodus. Dann geht es nicht mehr um die Sache. Es geht darum, die eigene Position zu schützen. Deshalb ist die Einleitung einer Argumentation oft wichtiger als das Argument selbst. 5 Formulierungen für bessere Argumentationen 1. „Ich habe noch eine andere Perspektive auf das Thema. Ist es okay für dich, wenn ich meinen Gedanken dazu teile?“ Dieser Satz schafft Zustimmung, bevor das eigentliche Argument beginnt. 2. „Ich verstehe deinen Punkt. Gleichzeitig frage ich mich, ob ...“ Eine wertschätzende Möglichkeit, eine andere Sichtweise einzubringen. 3. „Vielleicht übersehe ich etwas. Gleichzeitig nehme ich es so wahr ...“ Diese Formulierung wirkt offen und selbstreflektiert. 4. „Mich würde interessieren, wie du diesen Aspekt siehst ...“ Menschen hören besser zu, wenn sie selbst beteiligt werden. 5. „Eine Sache beschäftigt mich dabei noch ...“ Ein sanfter Einstieg, der Neugier weckt statt Widerstand auszulösen. Die Bedeutung von Neugier in Gesprächen Wer überzeugen möchte, sollte nicht nur reden. Er sollte auch zuhören. Deshalb gehören gute Fragen zu den wichtigsten Werkzeugen erfolgreicher Kommunikation. Zum Beispiel: Was ist dir daran besonders wichtig? Wie bist du zu dieser Meinung gekommen? Welche Erfahrungen spielen dabei eine Rolle? Was wäre aus deiner Sicht die beste Lösung? Die stärksten Argumente entstehen in Verbindung Menschen ändern ihre Meinung selten, weil sie sich unterlegen fühlen. Sie öffnen sich für neue Gedanken häufig erst dann, wenn sie sich verstanden fühlen. Deshalb geht es bei guter Gesprächsführung nicht darum, Diskussionen zu gewinnen. Es geht darum, Räume zu schaffen, in denen unterschiedliche Perspektiven nebeneinander existieren dürfen. Fazit Eine gute Argumentation beginnt nicht mit dem stärksten Argument. Sie beginnt mit Respekt, Interesse und echter Gesprächsbereitschaft. Wer Menschen verstehen möchte, bevor er sie überzeugen will, schafft die Grundlage für konstruktive Gespräche, bessere Beziehungen und nachhaltige Verständigung. Denn oft überzeugt nicht das bessere Argument. Sondern die bessere Art, es einzuleiten.
von Lisa Holtmeier 2. Juli 2026
Warum Mitarbeitende immer mehr fordern und wie du als Führungskraft souverän reagierst. Tipps für Mitarbeitergespräche, Motivation und Mitarbeiterbindung.
von Lisa Holtmeier 1. Juli 2026
Lerne, wie du Menschen überzeugst, ohne zu diskutieren. Praktische Tipps für bessere Argumentation, klare Kommunikation und konstruktive Gespräche.
von Lisa Holtmeier 30. Juni 2026
Wie gelingt gute Führung in Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie? Erfahre, wie du dein Team in die Eigenverantwortung führst und dich nachhaltig entlastest.