Warum viele Menschen Lob nicht annehmen können und was das mit Selbstwert zu tun hat

Lisa Holtmeier • 26. Mai 2026

„Ach, das war doch nichts.“
„Das ist doch selbstverständlich.“
„Andere können das viel besser.“


Kommt dir das bekannt vor?

Viele Menschen sehnen sich danach, gesehen zu werden. Sie leisten viel, passen sich an, geben ihr Bestes – beruflich, privat, im Alltag. Und wenn dann endlich Anerkennung kommt, passiert etwas Merkwürdiges: Das Lob wird sofort relativiert.

Warum fällt es so schwer, ein Kompliment einfach anzunehmen?

Genau darüber spricht Dr. Ulrike Bossmann im WORDSEED® Podcast und ihre Antwort geht tiefer, als viele vermuten würden.

Das Thema berührt zentrale Fragen rund um Selbstwert, Scham, Kommunikation und emotionale Gesundheit.


Warum Lob manchmal unangenehm ist

Viele Menschen denken, sie müssten sich über Anerkennung freuen. Doch Lob kann emotional überraschend intensiv sein.

Dr. Ulrike Bossmann erklärt im Podcast, dass hinter dem Relativieren von Komplimenten oft Schutzmechanismen stecken:

  • Scham
  • Unsicherheit
  • alte Prägungen
  • Angst, „zu viel“ zu sein
  • fehlende Erfahrung mit echter Anerkennung

Denn wenn wir nie gelernt haben, wirklich gesehen zu werden, kann Lob sich plötzlich verletzlich anfühlen.

Nicht, weil wir undankbar sind, sondern weil Anerkennung etwas in uns berührt, das ungewohnt ist.


Warum besonders Frauen Lob oft kleinreden

Gerade viele Frauen haben früh gelernt:

  • bescheiden zu bleiben
  • sich nicht in den Mittelpunkt zu stellen
  • Leistung herunterzuspielen
  • sympathisch statt sichtbar zu wirken

Dadurch entstehen typische Reaktionen wie:

„War doch nichts.“
„Jeder hätte das so gemacht.“
„Ach, das war nur Glück.“

Was nach Bescheidenheit aussieht, ist häufig ein erlerntes Kommunikationsmuster.

Ein Muster, das langfristig Auswirkungen auf Selbstwert, Sichtbarkeit und sogar auf die mentale Gesundheit haben kann.

Denn wer eigene Leistungen ständig relativiert, entfernt sich irgendwann auch von der eigenen Wahrnehmung.


Was im Körper passiert, wenn wir Lob bekommen

Spannend ist auch der psychologische Blick auf unsere Emotionen.

Im Podcast spricht Dr. Ulrike Bossmann darüber, dass Emotionen physiologisch oft nur etwa 90 Sekunden brauchen, um durch unseren Körper zu laufen.

Das bedeutet:

Vielleicht müssen wir gar nicht sofort lachen.
Nicht sofort ausweichen.
Nicht sofort relativieren.

Vielleicht dürfen wir einen Moment einfach aushalten.

Die Scham.
Das Ungewohnte.
Die Unsicherheit.

Und langsam lernen, ein Kompliment nicht mehr wegzuschieben.


Warum Kritik oft glaubwürdiger wirkt als Lob

Viele Menschen glauben Kritik schneller als Anerkennung.

Warum?

Weil negative Glaubenssätze oft tiefer verankert sind als positive Erfahrungen.

Wenn jemand innerlich überzeugt ist:
„Ich bin nicht gut genug“,
dann fühlt sich Kritik vertraut an – Lob dagegen fremd.

Unser Gehirn bevorzugt häufig das, was bekannt ist.
Selbst dann, wenn es uns schadet.

Genau deshalb kann gesunde Kommunikation so heilsam sein.

Worte beeinflussen nicht nur Beziehungen, sondern auch unser Selbstbild.


Lob annehmen lernen: Warum ein einfaches „Danke“ so kraftvoll ist

Lob anzunehmen bedeutet nicht, arrogant zu sein.

Es bedeutet auch nicht, sich über andere zu stellen.

Es bedeutet lediglich:
Die eigene Wirkung nicht permanent kleinzureden. Manchmal beginnt Selbstwert mit einem einzigen Wort:„Danke.“

Ohne Erklärung.
Ohne Rechtfertigung.
Ohne Abwertung.

Und ja, das kann sich am Anfang ungewohnt anfühlen. Doch genau darin liegt oft Entwicklung.


Gesunde Kommunikation beginnt auch im inneren Dialog

Bei WORDSEED® sprechen wir oft darüber, wie Kommunikation unsere Gesundheit beeinflusst.

Dabei geht es nicht nur um Gespräche mit anderen Menschen.
Sondern auch um die Art, wie wir mit uns selbst sprechen.

Denn wenn wir Lob dauerhaft abwehren, senden wir uns selbst immer wieder dieselbe Botschaft:

„Ich bin nicht genug.“

Gesunde Kommunikation bedeutet deshalb auch:

  • sich selbst sichtbar werden zu lassen
  • Anerkennung auszuhalten
  • den eigenen Wert nicht ständig zu relativieren
  • freundlich mit sich selbst zu sprechen


Wer ist Dr. Ulrike Bossmann?

Dr. Ulrike Bossmann ist promovierte Diplom-Psychologin, systemische Therapeutin, Bestsellerautorin und Coach für Positive Psychologie. Seit vielen Jahren begleitet sie Menschen dabei, entspannter, gelassener und mit mehr Selbstfreundlichkeit durchs Leben zu gehen.

Im WORDSEED® Podcast spricht sie darüber,

  • warum Lob und Selbstwert so eng zusammenhängen
  • weshalb viele Menschen sich selbst kleinmachen
  • warum Scham hinter Komplimenten stecken kann
  • und wie gesunde Selbstanerkennung gelingen kann


Fazit: Vielleicht müssen wir Lob nicht sofort wegschieben

Vielleicht geht es gar nicht darum, perfekt selbstbewusst zu sein.

Vielleicht reicht es erstmal, einen Moment länger im Gefühl zu bleiben.

Nicht sofort auszuweichen.
Nicht sofort kleiner zu werden, sondern langsam zu lernen:

Ich darf gesehen werden.

Ich darf Anerkennung annehmen.

Und ich muss meine Wirkung nicht ständig relativieren.



🎧 Die ganze Podcastfolge mit Dr. Ulrike Bossmann findest du jetzt im WORDSEED® Podcast.

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