5 Sätze, die helfen, wenn Patient*innen frustriert sind – Kommunikation bei Stagnation in der Therapie

Lisa Holtmeier • 13. März 2026

„Warum klappt das bei mir einfach nicht?“

Diesen Satz hören Therapeut*innen häufig. Manchmal nach der dritten Behandlung. Manchmal nach Wochen oder Monaten.

Der Fortschritt bleibt aus. Übungen greifen nicht. Motivation sinkt und plötzlich sitzt im Raum etwas, das viele aus der Praxis kennen: Frustration.

Frustration gehört zur Therapie dazu – und gleichzeitig ist sie ein sensibler Moment. Denn wie wir in diesem Moment kommunizieren, entscheidet oft darüber, ob sich die Situation verhärtet oder wieder Bewegung entsteht.

In meinem Buch „Gesunde Kommunikation für Therapieberufe“ widme ich diesem Thema ein eigenes Kapitel. In Kapitel 1.5 geht es um den Umgang mit Frustration und Stagnation in der Therapie.

Denn manchmal ist nicht eine neue Methode die wichtigste Intervention, sondern die richtigen Worte.


Warum Frustration in der Therapie so häufig entsteht

Therapie ist Veränderungsarbeit. Und Veränderung verläuft selten linear.

Patient*innen erleben häufig:

  • Erwartungen an schnelle Fortschritte
  • körperliche oder mentale Grenzen
  • Rückschläge im Heilungsprozess
  • Vergleiche mit anderen
  • das Gefühl, „nicht genug zu leisten“

Wenn Fortschritte ausbleiben, entsteht schnell ein innerer Dialog:

  • „Ich mache etwas falsch.“
  • „Bei mir funktioniert das nicht.“
  • „Das bringt doch alles nichts.“

In solchen Momenten brauchen Menschen keine schnelle Korrektur, sondern zunächst emotionale Entlastung.

Kommunikation kann hier regulierend wirken. Worte können Druck erhöhen oder ihn reduzieren.


5 Sätze, die helfen, wenn Patient*innen frustriert sind

Diese fünf Sätze können helfen, Frustration Raum zu geben und gleichzeitig die therapeutische Beziehung zu stärken.


Satz 1

„Das fühlt sich für dich gerade richtig unfair an, oder?“

Wenn Menschen frustriert sind, fühlen sie sich oft auch ungerecht behandelt – vom Körper, von der Situation oder vom Heilungsverlauf.

Dieser Satz erfüllt eine wichtige Funktion:

Er validiert Emotionen, bevor Lösungen kommen.

Das bedeutet:
Die Erfahrung des Patienten wird gesehen, ohne sie zu korrigieren oder kleinzureden.

Allein dieses Gefühl von „verstanden werden“ kann Spannung im Gespräch reduzieren.


Satz 2

„Magst du mir erzählen, was genau dich daran gerade am meisten frustriert?“

Frustration ist oft diffus.

Dieser Satz öffnet Raum für etwas Entscheidendes:

Erzählen.

Menschen sortieren ihre Gedanken häufig erst im Sprechen.
Wenn sie benennen können, was genau sie belastet, wird die Situation greifbarer.

Oft zeigt sich dann, dass der Frust gar nicht nur mit der Übung zusammenhängt, sondern mit:

  • Angst vor Stillstand
  • Selbstzweifeln
  • Druck im Alltag
  • dem Gefühl, nicht voranzukommen


Satz 3

„Es ist okay, dass dich das gerade so mitnimmt. Ich bin bei dir, wenn du magst.“

Frustration erzeugt Druck.

Viele Patient*innen glauben, sie müssten stärker, geduldiger oder motivierter sein.

Dieser Satz nimmt genau diesen Druck heraus.

Gleichzeitig signalisiert er etwas, das therapeutisch enorm wichtig ist:

Verbundenheit.

Wenn Menschen sich emotional gehalten fühlen, beruhigt sich das Nervensystem – und erst dann wird wieder konstruktives Denken möglich.


Satz 4

„Was würde dir gerade ein bisschen Luft verschaffen?“

Dieser Satz kommt erst nach der emotionalen Validierung.

Er öffnet Perspektive, ohne Druck aufzubauen.

Die Frage richtet den Blick auf kleine Schritte:

  • eine Anpassung der Übung
  • eine Pause
  • eine andere Herangehensweise
  • oder einfach ein Gespräch

So entsteht wieder Handlungsspielraum.


Satz 5

„Manchmal braucht Frust einfach erst einmal Raum.“

Das klingt simpel – ist aber eine der wichtigsten Erkenntnisse in der Kommunikation.

Emotionen lassen sich selten wegargumentieren.

Sie müssen zuerst gesehen werden.

Wenn Frustration Raum bekommt, reguliert sie sich oft von selbst. Erst danach können Lösungen wirklich greifen.


Warum diese Sätze so wirksam sind

Kommunikation beeinflusst unser Nervensystem.

Wenn Emotionen gesehen werden, kann sich das Stresssystem regulieren. Erst dann werden wieder Reflexion, Lernen und Veränderung möglich.

Das bedeutet:
Nicht jede therapeutische Intervention ist eine Übung.

Manchmal ist die wichtigste Intervention ein Satz zur richtigen Zeit.


Kommunikation wirkt auch außerhalb der Therapie

Die spannende Erkenntnis: Diese Sätze funktionieren nicht nur in der Therapie.

Sie helfen auch:

  • im Team
  • in Führungsgesprächen
  • im Coaching
  • im Alltag mit Menschen

Überall dort, wo Frustration entsteht.

Denn eines bleibt gleich: Menschen wollen zuerst verstanden werden – bevor sie Lösungen hören.


Mehr dazu im Buch

Der Umgang mit Frustration und Stagnation ist ein zentraler Bestandteil gesunder Kommunikation im therapeutischen Alltag.

Deshalb widme ich diesem Thema ein eigenes Kapitel.


📖 „Gesunde Kommunikation für Therapieberufe“
Erscheinung: 18.03.2026

Im Buch geht es unter anderem um:

  • Kommunikation mit Patient*innen in schwierigen Momenten
  • Gesprächsführung bei Motivationseinbrüchen
  • Sprache als Ressource für Gesundheit
  • Kommunikation im Team und in der Praxis

Denn Worte sind mehr als Information.

Worte können entlasten, stabilisieren und neue Bewegung ermöglichen.



💬 Reflexionsfrage:
Welchen Satz nutzt du, wenn Patient*innen frustriert sind?

von Lisa Holtmeier 15. Juli 2026
Der Pygmalion-Effekt erklärt, warum Erwartungen die Entwicklung von Mitarbeitenden beeinflussen. Erfahre, wie Psychologie deine Führung verändert.
von Lisa Holtmeier 13. Juli 2026
Ständig Anrufe im Urlaub? Erfahre, wie du dein Team vorbereitest, Verantwortung überträgst und deine Praxis auch ohne dich handlungsfähig machst.
von Lisa Holtmeier 11. Juli 2026
Lerne, ehrlich Nein zu sagen – ohne Ausreden. Erfahre, wie du Einladungen respektvoll absagst, Prioritäten schützt und klare Grenzen setzt.
von Lisa Holtmeier 10. Juli 2026
Warum Kommentare über das Aussehen verletzen können und wie du respektvoll kommunizierst. Tipps zum Grenzen setzen und für gesunde Kommunikation.
von Lisa Holtmeier 8. Juli 2026
Erfahre, welche psychologischen Erkenntnisse dein Leben leichter machen können. Ein inspirierendes Gespräch mit Psychotherapeut Sina Haghiri.
von Lisa Holtmeier 6. Juli 2026
Lerne, freundlich Nein zu sagen, Grenzen zu setzen und Prioritäten zu schützen. Tipps für Führungskräfte, Praxisinhaber*innen und alle, die sich weniger überfordern möchten.
von Lisa Holtmeier 5. Juli 2026
Warum Praxisinhaberinnen mehr als Therapeutinnen sind. Erfahre, wie gute Führung, Kommunikation und klare Strukturen deine Praxis erfolgreicher machen.
von Lisa Holtmeier 4. Juli 2026
Vor dem Team kritisiert? Erfahre, wie du souverän auf Kritik im Meeting reagierst, Eskalationen vermeidest und eine gesunde Feedbackkultur förderst.
von Lisa Holtmeier 3. Juli 2026
Viele Menschen haben gute Argumente. Trotzdem überzeugen sie andere nicht. Warum? Weil Überzeugungskraft nicht nur davon abhängt, was wir sagen, sondern auch davon, wie wir ein Gespräch beginnen. Wer direkt widerspricht oder mit Gegenargumenten startet, erzeugt häufig Widerstand. Wer hingegen eine Gesprächsatmosphäre schafft, in der sich Menschen gehört und respektiert fühlen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die eigenen Argumente überhaupt aufgenommen werden. Was macht eine gute Argumentation aus? Viele denken bei Argumentation an Fakten, Zahlen und logische Schlussfolgerungen. Diese Elemente sind wichtig. Doch erfolgreiche Kommunikation besteht aus mehr als sachlichen Argumenten. Eine gute Argumentation zeichnet sich dadurch aus, dass sie: respektvoll formuliert ist neugierig statt belehrend wirkt unterschiedliche Perspektiven zulässt Verständnis signalisiert zum Nachdenken einlädt Warum Menschen auf Argumente oft mit Widerstand reagieren Sobald Menschen das Gefühl haben, ihre Meinung werde angegriffen, schalten sie häufig in einen Verteidigungsmodus. Dann geht es nicht mehr um die Sache. Es geht darum, die eigene Position zu schützen. Deshalb ist die Einleitung einer Argumentation oft wichtiger als das Argument selbst. 5 Formulierungen für bessere Argumentationen 1. „Ich habe noch eine andere Perspektive auf das Thema. Ist es okay für dich, wenn ich meinen Gedanken dazu teile?“ Dieser Satz schafft Zustimmung, bevor das eigentliche Argument beginnt. 2. „Ich verstehe deinen Punkt. Gleichzeitig frage ich mich, ob ...“ Eine wertschätzende Möglichkeit, eine andere Sichtweise einzubringen. 3. „Vielleicht übersehe ich etwas. Gleichzeitig nehme ich es so wahr ...“ Diese Formulierung wirkt offen und selbstreflektiert. 4. „Mich würde interessieren, wie du diesen Aspekt siehst ...“ Menschen hören besser zu, wenn sie selbst beteiligt werden. 5. „Eine Sache beschäftigt mich dabei noch ...“ Ein sanfter Einstieg, der Neugier weckt statt Widerstand auszulösen. Die Bedeutung von Neugier in Gesprächen Wer überzeugen möchte, sollte nicht nur reden. Er sollte auch zuhören. Deshalb gehören gute Fragen zu den wichtigsten Werkzeugen erfolgreicher Kommunikation. Zum Beispiel: Was ist dir daran besonders wichtig? Wie bist du zu dieser Meinung gekommen? Welche Erfahrungen spielen dabei eine Rolle? Was wäre aus deiner Sicht die beste Lösung? Die stärksten Argumente entstehen in Verbindung Menschen ändern ihre Meinung selten, weil sie sich unterlegen fühlen. Sie öffnen sich für neue Gedanken häufig erst dann, wenn sie sich verstanden fühlen. Deshalb geht es bei guter Gesprächsführung nicht darum, Diskussionen zu gewinnen. Es geht darum, Räume zu schaffen, in denen unterschiedliche Perspektiven nebeneinander existieren dürfen. Fazit Eine gute Argumentation beginnt nicht mit dem stärksten Argument. Sie beginnt mit Respekt, Interesse und echter Gesprächsbereitschaft. Wer Menschen verstehen möchte, bevor er sie überzeugen will, schafft die Grundlage für konstruktive Gespräche, bessere Beziehungen und nachhaltige Verständigung. Denn oft überzeugt nicht das bessere Argument. Sondern die bessere Art, es einzuleiten.
von Lisa Holtmeier 2. Juli 2026
Warum Mitarbeitende immer mehr fordern und wie du als Führungskraft souverän reagierst. Tipps für Mitarbeitergespräche, Motivation und Mitarbeiterbindung.