Wir müssen reden

Lisa Holtmeier • 11. März 2022

Was machen solche Sätze mit dir?

Ich kenne niemanden bei dem diese Sätze nicht wenigstens ein bisschen Herzklopfen, Bauchgrummeln, Nervosität oder schwitzige Hände auslösen. Nach einem solchen Satz kann man kaum einen klaren Gedanken fassen, weil das Gehirn ununterbrochen dabei ist, sich Gedanken zu machen. Was ist passiert? Habe ich etwas falsch gemacht? Muss ich irgendetwas befürchten?

Diese Sätze können Menschen richtig krank machen. Arbeitgeber*innen rechnen dieser Zeit sofort mit einer Kündigung und Arbeitnehmer*innen fürchten getadelt zu werden. Auch im Privatleben sorgen solche Sätze für ordentlich Stress.
Solche “Gesprächsankündigungen” sind alles andere als gesund. Denn sie lassen ganz viele Informationsdefizite zurück und das Gehirn fängt automatisch an, diese Lücken mit Interpretationen zu füllen.

Ich möchte diesen Beitrag nutzen, um einen großen und lauten Appell auszusprechen: BITTE KÜNDIGT GESPRÄCHE NIEMALS SO AN! Das ist seelische und psychische Belastung vom Allerfeinsten! Das beeinträchtigt nicht nur die physische und psychische Gesundheit, sondern auch die zwischenmenschliche Beziehung.

Tipp: Wenn du mit jemanden sprechen möchtest, dann sag ihm/ ihr kurz ein Stichpunkt zur Einordnung des Themas.
“Hey, hast du diese Woche kurz Zeit? Ich würde gerne mit dir über meine Arbeitszeiten sprechen.”
“Ich würde nach Feierabend gerne mit Ihnen über Ihre Arbeitsauslastung sprechen. Ich habe den Eindruck, dass sie momentan sehr stark ausgelastet sind.”
“Ich möchte heute Abend gerne mit dir über das geplante Wochenende sprechen. Ich hatte den Eindruck, dass wir aneinander vorbeigeredet haben. Ich würde dir nachher gerne meine Ansicht noch einmal schildern.”

So oder so ähnlich… die Menschen machen sich ohnehin Gedanken..doch man muss es nicht schlimmer machen als es oft schon ist. Die Gedanken vieler Menschen kreisen schon den ganzen Tag, da müssen wir uns das Leben nicht noch gegenseitig schwermachen.

Mir haben solche “Ankündigungen” immer Kopfzerbrechen und Bauchschmerzen bereitet. Mir ging es richtig schlecht und auch heute hasse ich noch solche Situationen. Es macht mich schon fast nervös, wenn ich nur darüber nachdenke.

Kennst du das?

Deine Lisa

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Kennst du das? Ein Gespräch beginnt sachlich und plötzlich wird daraus eine hitzige Diskussion. Die Stimmung kippt, beide Seiten verteidigen ihre Position und niemand hört dem anderen mehr wirklich zu. Dabei scheitern viele Gespräche nicht an unterschiedlichen Meinungen. Sie scheitern daran, dass Menschen sich nicht verstanden fühlen. Die gute Nachricht: Oft reichen bereits kleine Veränderungen in unserer Sprache, um Konflikte zu entschärfen und Gespräche wieder konstruktiv zu gestalten. Warum Diskussionen eskalieren Wenn Menschen das Gefühl haben, angegriffen oder missverstanden zu werden, aktiviert sich häufig ein innerer Verteidigungsmodus. Anstatt zuzuhören, konzentrieren wir uns darauf: unsere Meinung zu verteidigen Gegenargumente zu finden Recht zu behalten Dadurch entstehen Fronten. Genau hier kann eine wertschätzende Kommunikation einen Unterschied machen. 5 Sätze, die Diskussionen entschärfen können 1. „Ich kann nachvollziehen, warum dir das wichtig ist.“ Dieser Satz signalisiert Verständnis, ohne automatisch Zustimmung auszudrücken. 2. „Hilf mir, deinen Gedanken noch besser zu verstehen.“ Wer Fragen stellt, zeigt echtes Interesse statt Widerstand. 3. „Da sind wir gar nicht so weit auseinander, wie es gerade wirkt.“ Gemeinsamkeiten schaffen Verbindung. 4. „Vielleicht betrachten wir gerade unterschiedliche Aspekte derselben Situation.“ Dieser Satz öffnet neue Perspektiven, ohne die Sichtweise des anderen abzuwerten. 5. „Ich sehe das etwas anders und finde deinen Punkt trotzdem nachvollziehbar.“ Eine der wichtigsten Fähigkeiten in gesunder Kommunikation: Unterschiedliche Meinungen aushalten können. Warum Fragen oft wichtiger sind als Argumente Viele Menschen versuchen, Konflikte durch bessere Argumente zu lösen. Häufig hilfreicher sind jedoch gute Fragen: Wie bist du zu dieser Sichtweise gekommen? Was ist dir daran besonders wichtig? Welche Erfahrungen haben deine Meinung geprägt? Habe ich dich richtig verstanden, dass ...? Diese Fragen helfen dabei, die Werte und Bedürfnisse hinter einer Meinung zu erkennen. Verstehen bedeutet nicht zustimmen Ein weit verbreiteter Irrtum lautet: „Wenn ich Verständnis zeige, gebe ich dem anderen Recht.“ Das stimmt nicht. Du kannst die Perspektive eines Menschen nachvollziehen, ohne dieselbe Meinung zu vertreten. Gerade diese Fähigkeit macht schwierige Gespräche oft deutlich leichter. Fazit Menschen öffnen ihre Ohren häufig erst dann, wenn sie sich verstanden fühlen. Wer weniger bewertet, mehr fragt und neugierig bleibt, schafft die Grundlage für bessere Gespräche, weniger Konflikte und mehr gegenseitiges Verständnis. Denn gute Kommunikation beginnt nicht mit dem Wunsch zu überzeugen. Sie beginnt mit dem Wunsch zu verstehen.
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