Statt "ich verstehe Sie" lieber "ich glaube Ihnen"

Lisa Holtmeier • 18. Juli 2022

Es war ein warmer Sommertag, so ähnlich wie heute. Ich saß in meinem blauen Polo und bin, wie jeden Dienstag, meine Hausbesuchtstour gefahren. Meine Ausbildung zur Ergotherapeutin lag erst ein paar Monate zurück. Während der Fahrt bin ich immer noch einmal meinen Plan für die Therapie gedanklich durchgegangen. Als nächstes wartet Frau Sommer* auf mich. Sie hat einen Schlaganfall erlitten und sitzt seither im Rollstuhl. Ihr Mann eröffnete mir die Tür und begrüßte mich wie jeden Dienstag sehr freundlich. Ich ging ins Wohnzimmer, wo sie immer am Fenster saß, um die Vögel an der kleinen Tränke zu beobachten. Ich begrüßte Frau Sommer und fragte sie nach ihrem Befinden.

Heute machte sie den Eindruck auf mich als würde es ihr nicht gut gehen. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählte mir, dass sie sehr frustriert ist, dass sie ständig auf Hilfe und Unterstützung angewiesen ist. Sie wünscht sich ihr “altes Leben” zurück, sagte sie. Ich spürte die Frustration, die Wut und die Traurigkeit und sagte “Das verstehe ich sehr gut, Frau Sommer”. Sie schaute erstaunt auf und entgegnete “ach ja!? Hatten Sie auch einen Schlaganfall und sitzen im Rollstuhl!? Offensichtlich nicht!”. Meine gut gemeinte Aussage, kam überhaupt nicht gut an.

Ich erzähle dir diese Geschichte, um mit dir gemeinsam daraus zu lernen. Die Situation ist nun ca. 7 Jahre her und ist trotzdem noch sehr präsent in meinem Kopf. Ich möchte nicht sagen, dass es falsch ist einen Satz wie “ich verstehe dich/ Sie” zu äußern. Ich möchte dich dafür sensibilisieren, dass es manche Menschen sehr triggern kann. Ein “ich glaube dir/Ihnen” ist ein wenig sanfter. Denn du kannst glauben, was du willst. Nicht jeder Mensch fühlt sich durch diesen Satz getriggert. Es kommt natürlich auch sehr auf den Kontext an. Ich bin der Überzeugung, dass du dir den Alltag etwas erleichtern kannst, indem du auf “ich glaube dir/ ihnen” zurückgreifst. Woher wollen wir auch wissen, ob wir jemanden wirklich verstehen!?

Eine kleine Änderung im Satz, eine große Änderung in der Kommunikation.

Let´s grow!
Deine Lisa von WORDSEED
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*Der Name & das Geschlecht ist selbstverständlich frei erfunden

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Viele Menschen haben gute Argumente. Trotzdem überzeugen sie andere nicht. Warum? Weil Überzeugungskraft nicht nur davon abhängt, was wir sagen, sondern auch davon, wie wir ein Gespräch beginnen. Wer direkt widerspricht oder mit Gegenargumenten startet, erzeugt häufig Widerstand. Wer hingegen eine Gesprächsatmosphäre schafft, in der sich Menschen gehört und respektiert fühlen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die eigenen Argumente überhaupt aufgenommen werden. Was macht eine gute Argumentation aus? Viele denken bei Argumentation an Fakten, Zahlen und logische Schlussfolgerungen. Diese Elemente sind wichtig. Doch erfolgreiche Kommunikation besteht aus mehr als sachlichen Argumenten. Eine gute Argumentation zeichnet sich dadurch aus, dass sie: respektvoll formuliert ist neugierig statt belehrend wirkt unterschiedliche Perspektiven zulässt Verständnis signalisiert zum Nachdenken einlädt Warum Menschen auf Argumente oft mit Widerstand reagieren Sobald Menschen das Gefühl haben, ihre Meinung werde angegriffen, schalten sie häufig in einen Verteidigungsmodus. Dann geht es nicht mehr um die Sache. Es geht darum, die eigene Position zu schützen. Deshalb ist die Einleitung einer Argumentation oft wichtiger als das Argument selbst. 5 Formulierungen für bessere Argumentationen 1. „Ich habe noch eine andere Perspektive auf das Thema. Ist es okay für dich, wenn ich meinen Gedanken dazu teile?“ Dieser Satz schafft Zustimmung, bevor das eigentliche Argument beginnt. 2. „Ich verstehe deinen Punkt. Gleichzeitig frage ich mich, ob ...“ Eine wertschätzende Möglichkeit, eine andere Sichtweise einzubringen. 3. „Vielleicht übersehe ich etwas. Gleichzeitig nehme ich es so wahr ...“ Diese Formulierung wirkt offen und selbstreflektiert. 4. „Mich würde interessieren, wie du diesen Aspekt siehst ...“ Menschen hören besser zu, wenn sie selbst beteiligt werden. 5. „Eine Sache beschäftigt mich dabei noch ...“ Ein sanfter Einstieg, der Neugier weckt statt Widerstand auszulösen. Die Bedeutung von Neugier in Gesprächen Wer überzeugen möchte, sollte nicht nur reden. Er sollte auch zuhören. Deshalb gehören gute Fragen zu den wichtigsten Werkzeugen erfolgreicher Kommunikation. Zum Beispiel: Was ist dir daran besonders wichtig? Wie bist du zu dieser Meinung gekommen? Welche Erfahrungen spielen dabei eine Rolle? Was wäre aus deiner Sicht die beste Lösung? Die stärksten Argumente entstehen in Verbindung Menschen ändern ihre Meinung selten, weil sie sich unterlegen fühlen. Sie öffnen sich für neue Gedanken häufig erst dann, wenn sie sich verstanden fühlen. Deshalb geht es bei guter Gesprächsführung nicht darum, Diskussionen zu gewinnen. Es geht darum, Räume zu schaffen, in denen unterschiedliche Perspektiven nebeneinander existieren dürfen. Fazit Eine gute Argumentation beginnt nicht mit dem stärksten Argument. Sie beginnt mit Respekt, Interesse und echter Gesprächsbereitschaft. Wer Menschen verstehen möchte, bevor er sie überzeugen will, schafft die Grundlage für konstruktive Gespräche, bessere Beziehungen und nachhaltige Verständigung. Denn oft überzeugt nicht das bessere Argument. Sondern die bessere Art, es einzuleiten.
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