Immer wieder Drama und du weißt nicht, warum?

Nicht jedes Drama ist laut.
Manches Drama passiert leise, zwischen den Zeilen, in Blicken, Pausen und Dingen, die nie ausgesprochen werden.
Vielleicht kennst du das:
- In einem Team ist die Stimmung angespannt, aber niemand spricht es an
- Hinter verschlossenen Türen wird gelästert, offiziell ist alles „okay“
- In Beziehungen gibt es Nähe – und trotzdem ein ständiges Unbehagen
- Der Elefant im Raum wird größer, während alle so tun, als gäbe es ihn nicht
👉 Das ist Drama.
Auch wenn niemand schreit.
Was Drama wirklich ist (und was nicht)
Viele Menschen denken bei Drama an:
- Streit
- Eskalation
- laute Emotionen
- offensichtliche Konflikte
Doch Drama beginnt viel früher.
Drama ist keine Lautstärke. Drama ist eine Dynamik.
Eine Dynamik, die entsteht, wenn Gefühle, Bedürfnisse oder Spannungen
nicht direkt getragen werden, sondern indirekt wirken.
Typische Anzeichen:
- passiv-aggressive Kommentare
- Ironie statt Ehrlichkeit
- Lästerei statt direkter Klärung
- Harmonie nach außen, Spannung nach innen
Der Elefant im Raum: Wenn alle etwas spüren, aber niemand es sagt
Der berühmte Elefant im Raum ist kein Kommunikationsproblem –
er ist ein
Dynamikproblem.
Alle merken: „Hier stimmt etwas nicht.“
Aber niemand übernimmt die Verantwortung, es auszusprechen.
Warum?
- aus Angst vor Ablehnung
- aus Angst vor Konflikt
- aus Angst, als schwierig zu gelten
Das Ergebnis:
- unausgesprochene Loyalitäten
- Lagerbildung
- stille Machtspiele
👉 Drama ohne Worte.
Lästerei im Team: Drama in Reinform
Lästerei ist kein harmloser Smalltalk.
Psychologisch gesehen ist sie oft ein
Ersatz für Klarheit.
Was darunter liegt:
- „Ich traue mich nicht, es direkt zu sagen.“
- „Ich fühle mich ohnmächtig.“
- „Ich brauche Verbündete.“
So entsteht eine Dynamik, in der:
- Spannung nicht gelöst, sondern verteilt wird
- Verantwortung verschoben wird
- Beziehungen beschädigt werden, ohne dass es offen sichtbar ist
Das unsichtbare Muster hinter dem Drama
Viele dieser Situationen lassen sich mit dem sogenannten Drama-Dreieck erklären – einem Modell aus der Transaktionsanalyse, entwickelt von Stephen Karpman.
Es beschreibt drei Rollen, die Menschen in belastenden Dynamiken einnehmen:
- Opfer – fühlt sich machtlos, sagt nichts, leidet innerlich
- Täter (Verfolger) – wertet ab, oft subtil, durch Tonfall oder Ironie
- Retter – glättet, beschwichtigt, verhindert Klärung
Wichtig dabei:
Niemand ist eine Rolle.
Menschen
wechseln zwischen ihnen.
Und: Das Drama-Dreieck wirkt besonders stark dort, wo nicht offen gesprochen wird.
Warum Drama sich wiederholt
Drama wiederholt sich nicht, weil Menschen schwierig sind, sondern weil Muster unbewusst bleiben.
Solange:
- Spannungen nicht benannt werden
- Bedürfnisse nicht klar formuliert werden
- Verantwortung vermieden wird
… bleibt das Drama aktiv – auch ohne Streit.
Oder anders gesagt: Drama ist das, was entsteht, wenn Ehrlichkeit fehlt, aber Nähe da ist.
Drama erkennen – ohne es zu verschärfen
Der Ausstieg beginnt nicht mit Konfrontation, sondern mit Wahrnehmung.
Hilfreiche Fragen:
- Was wird hier gerade nicht gesagt?
- Welche Stimmung liegt im Raum?
- Welche Rolle nehme ich gerade ein?
- Spreche ich indirekt statt klar?
Schon diese Fragen verändern Dynamiken.
Wichtig: Drama nicht „bei anderen“ suchen
Ein häufiger Fehler:
Menschen erkennen das Muster – und beginnen, andere zu analysieren.
„Ah, der ist der Täter.“
„Die spielt das Opfer.“
Das erzeugt sofort neues Drama.
Das Modell ist kein Diagnosewerkzeug, s ondern ein Selbstreflexionsinstrument.
Fazit: Drama verschwindet nicht durch Harmonie, sondern durch Klarheit
Drama braucht keine bösen Menschen.
Es braucht nur unausgesprochene Dinge.
Je früher Spannungen benannt werden, je klarer Verantwortung übernommen wird, desto weniger Raum hat Drama – laut oder leise. Nicht jede Spannung ist ein Konflikt. Aber jede verdrängte Spannung wird irgendwann Drama.
🎧 Vertiefung
In der Podcastfolge „Immer wieder Drama – und du weißt nicht, warum?“ geht es genau um diese unsichtbaren Gesprächsdynamiken, den Elefanten im Raum und Muster, die die meisten nicht erkennen – aber täglich erleben.










