Solltest du über deine psychischen Belastungen mit Führungspersonen sprechen? Vorteile und Überlegungen

Lisa Holtmeier • 11. Oktober 2024

Viele Menschen stellen sich die Frage, ob sie ihre psychischen Belastungen am Arbeitsplatz mit ihren Führungspersonen teilen sollten. Es gibt dabei keine pauschale Antwort – du musst nicht darüber sprechen, aber es kann durchaus einige Vorteile bieten. In diesem Blogbeitrag betrachten wir die möglichen Auswirkungen von Offenheit in Bezug auf psychische Belastungen am Arbeitsplatz und geben dir Tipps, wie du die richtige Entscheidung für dich triffst.


Warum zögern viele Menschen, über psychische Belastungen zu sprechen?

Psychische Gesundheit ist nach wie vor ein sensibles Thema, besonders im beruflichen Kontext. Viele Menschen fürchten Stigmatisierung, negative Konsequenzen oder den Verlust ihres Ansehens. Es könnte das Gefühl entstehen, dass man als "schwach" wahrgenommen wird oder dass Offenheit über psychische Belastungen die Karriere gefährden könnte. Diese Bedenken sind verständlich, insbesondere in Arbeitsumfeldern, die wenig Bewusstsein für mentale Gesundheit zeigen.

Doch psychische Belastungen betreffen nicht nur Menschen mit diagnostizierten psychischen Erkrankungen. Auch Druck durch ein hohes Arbeitspensum, Zeitmangel oder die ständige Erreichbarkeit können die psychische Gesundheit beeinträchtigen.


Vorteile, über psychische Belastungen am Arbeitsplatz zu sprechen

Obwohl es Herausforderungen gibt, sich zu öffnen, kann das Gespräch über deine psychischen Belastungen mit Führungspersonen einige Vorteile bieten. Hier sind einige Gründe, warum du in Erwägung ziehen könntest, offen über deine Situation zu sprechen:

  1. Schaffung eines unterstützenden Arbeitsumfelds: Wenn du offen über deine psychischen Belastungen sprichst, kannst du dazu beitragen, ein Arbeitsklima zu schaffen, in dem Empathie und Unterstützung gefördert werden. Führungskräfte, die von deinen Herausforderungen wissen, können Maßnahmen ergreifen, um deine Arbeitsbelastung anzupassen oder dich mit Ressourcen zu unterstützen.
  2. Abbau von Stigmatisierung: Indem du das Thema ansprichst, kannst du helfen, das Bewusstsein für psychische Gesundheit im Unternehmen zu fördern. Dies ermutigt Kolleg*innen und Vorgesetzte, empathischer zu handeln und die Bedeutung der mentalen Gesundheit am Arbeitsplatz zu erkennen.
  3. Vorbeugung von Überlastung: Offenheit über deine Belastungen kann auch dazu beitragen, Burnout oder ernsthafteren Problemen vorzubeugen. Wenn dein Arbeitgeber deine Situation kennt, kann er frühzeitig Maßnahmen ergreifen, bevor die Situation eskaliert.
  4. Unterstützungsangebote nutzen: Viele Unternehmen bieten im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements Unterstützung für Mitarbeiter*innen an – von Beratung bis hin zu Stressbewältigungsprogrammen. Wenn du deine Belastungen ansprichst, kannst du von diesen Angeboten profitieren.


Worauf solltest du achten, wenn du das Gespräch suchst?

Falls du dich dazu entscheidest, über deine psychischen Belastungen zu sprechen, ist es wichtig, gut vorbereitet zu sein. Hier sind einige Tipps:

  1. Wähle das richtige Umfeld: Achte darauf, dass du das Gespräch in einer ruhigen und privaten Umgebung führst, in der du dich wohlfühlst. Vermeide hektische Zeiten oder ungeeignete Orte.
  2. Formuliere deine Bedürfnisse klar: Überlege dir im Voraus, welche Unterstützung du benötigst. Möchtest du weniger Arbeitsstunden, flexiblere Arbeitszeiten oder Zugang zu bestimmten Ressourcen? Klare Kommunikation ist hier entscheidend.
  3. Gib nur so viel preis, wie du möchtest: Du musst nicht ins Detail gehen oder deine gesamte Lebensgeschichte erzählen. Teile nur das, was du für relevant hältst und womit du dich wohlfühlst.
  4. Vertraulichkeit sicherstellen: Stelle sicher, dass dein Gesprächspartner die Informationen vertraulich behandelt, insbesondere wenn du in einem Umfeld arbeitest, in dem psychische Gesundheit ein sensibles Thema ist.


Was tun, wenn du nicht über deine psychischen Belastungen sprechen möchtest?

Es gibt auch viele Gründe, warum du dich gegen ein offenes Gespräch entscheiden könntest – und das ist völlig in Ordnung. Jede Person hat das Recht, selbst zu entscheiden, ob sie über ihre psychische Gesundheit sprechen möchte oder nicht. Wenn du dich nicht wohl dabei fühlst, kannst du dennoch auf andere Weise für dich sorgen:

  • Nutze externe Unterstützung: Wenn du am Arbeitsplatz nicht darüber sprechen möchtest, kannst du dir Hilfe außerhalb des Unternehmens suchen, etwa durch Psychotherapie, Beratungsangebote oder Selbsthilfegruppen.
  • Selbstfürsorge im Alltag: Selbstfürsorge ist ein wichtiger Schritt, um deine psychische Gesundheit zu schützen. Achte auf regelmäßige Pausen, achtsame Momente und eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Freizeit.


Fazit: Offenheit kann helfen, muss aber nicht

Letztlich liegt die Entscheidung, ob du über deine psychischen Belastungen am Arbeitsplatz sprechen möchtest, ganz bei dir. Du musst nicht darüber reden, wenn es sich für dich nicht richtig anfühlt. Gleichzeitig kann Offenheit dabei helfen, ein unterstützendes Arbeitsumfeld zu schaffen und das Bewusstsein für mentale Gesundheit zu fördern. Wichtig ist, dass du deine eigenen Bedürfnisse kennst und sie im Einklang mit deinem Wohlbefinden kommunizierst.

Ob du das Gespräch suchst oder dich für alternative Wege entscheidest – deine psychische Gesundheit steht an erster Stelle!

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Warum gutes Feedback oft schon an den ersten Worten scheitert „Ich will nicht zu pingelig sein, aber ...“ Kennst du solche Formulierungen? Viele Menschen entschuldigen ihr Feedback, bevor sie es überhaupt ausgesprochen haben. Besonders Führungskräfte, Praxisinhaber*innen und Menschen, die niemanden verletzen möchten, nutzen solche Einleitungen regelmäßig. Das Problem: Wer sein Feedback vorab abschwächt, signalisiert unbewusst Unsicherheit. Dabei ist konstruktives Feedback eine der wichtigsten Grundlagen für gesunde Kommunikation, gute Zusammenarbeit und persönliches Wachstum. Warum wir Feedback oft abschwächen Die meisten Menschen haben nicht gelernt, Feedback klar und wertschätzend zu formulieren. Stattdessen versuchen sie häufig: Konflikte zu vermeiden Ablehnung zu verhindern besonders freundlich zu wirken niemanden zu verletzen Das führt dazu, dass wichtige Botschaften unnötig abgeschwächt werden. 1. Statt: „Ich will nicht zu pingelig sein, aber ...“ Besser: „Mir ist ein Detail aufgefallen, das ich gern mit dir besprechen möchte.“ Diese Formulierung wirkt klar, respektvoll und professionell. 2. Statt: „Das ist jetzt nicht böse gemeint, aber ...“ Besser: „Ich möchte etwas ansprechen, das mir aufgefallen ist.“ Wer ankündigt, dass etwas „nicht böse gemeint“ ist, erzeugt häufig genau die gegenteilige Erwartung. 3. Statt: „Ich hoffe, es ist okay, wenn ich das so offen anspreche ...“ Besser: „Ich möchte etwas offen ansprechen.“ Offene Kommunikation braucht keine Entschuldigung. 4. Statt: „Ich finde soweit alles gut, aber ...“ Besser: „Besonders gelungen finde ich XY. Gleichzeitig habe ich noch einen Gedanken zu ...“ Das Wort „aber“ löscht oft alles, was davor gesagt wurde. Deshalb ist es sinnvoll, Anerkennung und Entwicklungsideen bewusst nebeneinander stehen zu lassen. 5. Statt: „Das ist echt nicht schlecht.“ Besser: „Das ist richtig gelungen.“ Menschen profitieren von konkretem und eindeutigem Lob. Gute Feedbackgespräche beginnen mit klarer Sprache Gesunde Kommunikation bedeutet nicht, alles weichzuspülen. Gesunde Kommunikation bedeutet, Dinge klar anzusprechen, ohne andere abzuwerten oder die eigene Botschaft kleinzumachen. Denn oft entscheidet nicht der Inhalt darüber, wie Feedback ankommt. Sondern die ersten Worte. Fazit Wer Feedback geben möchte, muss sich dafür nicht entschuldigen. Je klarer und wertschätzender wir kommunizieren, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass unser Gegenüber zuhören, verstehen und sich weiterentwickeln kann. Gutes Feedback beginnt häufig mit einer kleinen Veränderung der Wortwahl – und genau diese Veränderung kann einen großen Unterschied machen.
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