Gehaltsgespräche in der Praxis: Wie du fair, klar und wertschätzend kommunizierst

Lisa Holtmeier • 11. Mai 2025
„Ich will mehr Gehalt.“
Und du fragst dich: Bin ich Chef*in, Kolleg*in oder die Sparkasse?

Viele Praxisinhaber*innen erleben Gehaltsgespräche als unangenehmen Spagat: Einerseits willst du dein Team wertschätzen – andererseits stehen Budgets, Verantwortung und Praxisrealität im Raum.


Wie findest du in solchen Gesprächen Klarheit, Haltung und Verbindung?

Hier erfährst du, wie du dich innerlich vorbereitest, souverän kommunizierst – und trotz Spannung in Beziehung bleibst.


🧭 1. Vorbereitung beginnt bei dir – nicht bei der Excel-Tabelle

Ein starkes Gehaltsgespräch braucht innere Klarheit.
Frage dich vor dem Gespräch:

  • Welche Haltung habe ich zu Geld und Leistung?
  • Was ist für mich fair – nicht nur finanziell, sondern auch im Umgang?
  • Wo bin ich offen, wo ist meine Grenze?
Eine klare innere Haltung wirkt sicherer als jedes Argument.
Wer unklar kommuniziert, wird entweder überrollt – oder wirkt hart.

Mini-Tipp:
Notiere dir drei Werte, die deine Praxisführung prägen (z. B. Transparenz, Wertschätzung, Nachhaltigkeit) – und leite daraus deinen Gesprächsstil ab.


💶 2. Zahlen + Haltung = Orientierung geben statt Rechtfertigung

Es geht nicht nur ums „Wie viel?“ – sondern auch ums „Warum?“.

Kommuniziere transparent:

  • Wie setzt sich das Gehalt in deiner Praxis zusammen?
  • Welche Rahmenbedingungen (z. B. Ausfallquote, Privatpreise, Wirtschaftlichkeit) beeinflussen die Entscheidung?
  • Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es – jenseits von Gehalt?

Beispiel:
„Ich verstehe deinen Wunsch. Gleichzeitig schaue ich auf das große Ganze: Was tragen deine Aufgaben, deine Verantwortung und dein Einsatz zur wirtschaftlichen Stabilität der Praxis bei? Lass uns das gemeinsam anschauen.“

🗣️ 3. Zwischen Wunsch & Wirklichkeit vermitteln – mit Beziehung statt Abwehr

Dein Gegenüber hat Erwartungen. Du auch.
Das Ziel:
Kein Machtspiel, sondern ein ehrlicher Abgleich.

Vermeide klassische Fehler:

  • „Dafür ist kein Geld da!“ (macht die Tür zu)
  • „Alle verdienen dasselbe.“ (verhindert individuelle Würdigung)

Setze stattdessen auf:

  • Verstehen zeigen: „Danke, dass du das ansprichst.“
  • Kontext geben: „Ich zeige dir transparent, wie wir kalkulieren.“
  • Wertschätzung ausdrücken: „Ich sehe deinen Beitrag – und ich will, dass du dich gesehen fühlst.“

🧾 4. Mini-Skript: So klingt ein klarer & wertschätzender Einstieg


🗨️ „Danke, dass du das Gespräch suchst. Mir ist wichtig, dass wir offen und ehrlich sprechen können – nicht nur über Zahlen, sondern auch über Perspektiven. Ich habe mich vorbereitet und möchte dir sowohl Rückmeldung geben als auch auf deinen Wunsch eingehen. Bist du bereit, gemeinsam draufzuschauen?“

So schaffst du Raum für Dialog statt Konfrontation.


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💸 „Ich hätte gern mehr Gehalt.“
😬 „Wir müssen über Geld reden…“
🧠 „Wie sag ich’s, ohne die Beziehung zu gefährden?“

Gehaltsgespräche sind nie nur Zahlenspiele. Sie sind Beziehungsgespräche – und genau so solltest du sie führen.

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Du merkst: Kommunikation in der Leitung ist mehr als „nur reden“.
Sie fordert dich – emotional, strukturell, strategisch. Und sie darf leichter werden.

In meiner Leadership-Begleitung arbeite ich 1:1 mit Praxisinhaber*innen aus Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie an genau diesen Themen:

  • Schwierige Gespräche souverän führen
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  • Mitarbeitende in Verantwortung bringen
  • Kommunikation als Ressource statt Belastung nutzen

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📣 Fazit: Gute Gespräche schaffen gute Teams

Gehaltsgespräche sind keine Prüfungen.
Sie sind Beziehungsmomente. Auch wenn es mal keine Gehaltserhöhung gibt.
Du kannst Haltung zeigen, Klarheit geben – und gleichzeitig Verbundenheit leben.

Und du musst das nicht allein schaffen.

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Viele Menschen haben gute Argumente. Trotzdem überzeugen sie andere nicht. Warum? Weil Überzeugungskraft nicht nur davon abhängt, was wir sagen, sondern auch davon, wie wir ein Gespräch beginnen. Wer direkt widerspricht oder mit Gegenargumenten startet, erzeugt häufig Widerstand. Wer hingegen eine Gesprächsatmosphäre schafft, in der sich Menschen gehört und respektiert fühlen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die eigenen Argumente überhaupt aufgenommen werden. Was macht eine gute Argumentation aus? Viele denken bei Argumentation an Fakten, Zahlen und logische Schlussfolgerungen. Diese Elemente sind wichtig. Doch erfolgreiche Kommunikation besteht aus mehr als sachlichen Argumenten. Eine gute Argumentation zeichnet sich dadurch aus, dass sie: respektvoll formuliert ist neugierig statt belehrend wirkt unterschiedliche Perspektiven zulässt Verständnis signalisiert zum Nachdenken einlädt Warum Menschen auf Argumente oft mit Widerstand reagieren Sobald Menschen das Gefühl haben, ihre Meinung werde angegriffen, schalten sie häufig in einen Verteidigungsmodus. Dann geht es nicht mehr um die Sache. Es geht darum, die eigene Position zu schützen. Deshalb ist die Einleitung einer Argumentation oft wichtiger als das Argument selbst. 5 Formulierungen für bessere Argumentationen 1. „Ich habe noch eine andere Perspektive auf das Thema. Ist es okay für dich, wenn ich meinen Gedanken dazu teile?“ Dieser Satz schafft Zustimmung, bevor das eigentliche Argument beginnt. 2. „Ich verstehe deinen Punkt. Gleichzeitig frage ich mich, ob ...“ Eine wertschätzende Möglichkeit, eine andere Sichtweise einzubringen. 3. „Vielleicht übersehe ich etwas. Gleichzeitig nehme ich es so wahr ...“ Diese Formulierung wirkt offen und selbstreflektiert. 4. „Mich würde interessieren, wie du diesen Aspekt siehst ...“ Menschen hören besser zu, wenn sie selbst beteiligt werden. 5. „Eine Sache beschäftigt mich dabei noch ...“ Ein sanfter Einstieg, der Neugier weckt statt Widerstand auszulösen. Die Bedeutung von Neugier in Gesprächen Wer überzeugen möchte, sollte nicht nur reden. Er sollte auch zuhören. Deshalb gehören gute Fragen zu den wichtigsten Werkzeugen erfolgreicher Kommunikation. Zum Beispiel: Was ist dir daran besonders wichtig? Wie bist du zu dieser Meinung gekommen? Welche Erfahrungen spielen dabei eine Rolle? Was wäre aus deiner Sicht die beste Lösung? Die stärksten Argumente entstehen in Verbindung Menschen ändern ihre Meinung selten, weil sie sich unterlegen fühlen. Sie öffnen sich für neue Gedanken häufig erst dann, wenn sie sich verstanden fühlen. Deshalb geht es bei guter Gesprächsführung nicht darum, Diskussionen zu gewinnen. Es geht darum, Räume zu schaffen, in denen unterschiedliche Perspektiven nebeneinander existieren dürfen. Fazit Eine gute Argumentation beginnt nicht mit dem stärksten Argument. Sie beginnt mit Respekt, Interesse und echter Gesprächsbereitschaft. Wer Menschen verstehen möchte, bevor er sie überzeugen will, schafft die Grundlage für konstruktive Gespräche, bessere Beziehungen und nachhaltige Verständigung. Denn oft überzeugt nicht das bessere Argument. Sondern die bessere Art, es einzuleiten.
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Warum manche Sätze sofort Widerstand auslösen „Du machst das jedes Mal falsch.“ „Das ergibt doch gar keinen Sinn.“ „So kannst du das nicht machen.“ Solche Sätze hören wir täglich in Unternehmen, Praxen, Teams und Familien. Die Absicht dahinter ist meist nachvollziehbar: Jemand möchte auf ein Problem aufmerksam machen oder eine Verbesserung anstoßen. Trotzdem führen diese Formulierungen oft zu Rechtfertigungen, Rückzug oder Konflikten. Warum? Weil Menschen nicht nur auf Inhalte reagieren. Sie reagieren auch auf die Art, wie etwas gesagt wird. Die Psychologie hinter Widerstand Sobald wir uns angegriffen oder bewertet fühlen, schaltet unser Gehirn in einen Schutzmodus. Statt offen zuzuhören, beschäftigen wir uns mit Fragen wie: Warum greift mich die Person an? Wie kann ich mich verteidigen? Warum versteht sie mich nicht? Dadurch geht die eigentliche Botschaft verloren. 1. Statt: „Nee, das stimmt so nicht.“ Besser: „Ich habe es anders verstanden. Lass uns nochmal zusammen draufschauen.“ Diese Formulierung schafft Raum für unterschiedliche Perspektiven. 2. Statt: „Du machst das jedes Mal falsch.“ Besser: „Ich merke, dass sich das wiederholt. Wie können wir das lösen?“ Der Fokus liegt auf der Situation statt auf der Person. 3. Statt: „So kannst du das nicht machen.“ Besser: „Ich sehe dabei folgende Herausforderung ...“ Menschen nehmen Herausforderungen meist leichter an als Verbote. 4. Statt: „Das ergibt doch gar keinen Sinn.“ Besser: „Kannst du mich durch deinen Gedankengang führen?“ Neugier erzeugt Verständnis. Bewertungen erzeugen Widerstand. 5. Statt: „Also, das war echt nicht gut.“ Besser: „Für die Zukunft wünsche ich mir, dass ...“ Entwicklungsorientiertes Feedback blickt nach vorn statt zurück. Warum gesunde Kommunikation Konflikte reduziert Gesunde Kommunikation bedeutet nicht, Kritik zu vermeiden. Im Gegenteil. Probleme dürfen und sollten angesprochen werden. Der Unterschied liegt darin, ob wir Menschen beschuldigen oder zur Lösung einladen. Wer beobachtet statt bewertet, nachfragt statt urteilt und Entwicklung statt Schuld in den Mittelpunkt stellt, schafft die Grundlage für echte Veränderung. Fazit Die meisten Konflikte entstehen nicht durch das Thema selbst. Sie entstehen durch die Art, wie darüber gesprochen wird. Wenn wir lernen, Feedback klar und respektvoll zu formulieren, entstehen weniger Abwehr, mehr Verständnis und bessere Lösungen. Und genau das ist das Ziel gesunder Kommunikation: Klarheit ohne Verletzung. Entwicklung ohne Abwertung. Führung mit Haltung.